Neue Fachzeitschrift BioTOPP

Neue Fachzeitschrift BioTOPP

Drei Wochen vor den Öko-Feldtagen 2019 erscheint die Erstausgabe der BioTOPP, der neuen Fachzeitschrift für die ökologische Landwirtschaft. Auf 48 Seiten informiert das neue Fachmagazin für Bäuerinnen und Bauern zu allen Themen rund um den Öko-Landbau. Als Herausgeber fungieren das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Deutschland) und die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), es erscheint in der DLG AgroFood Medien GmbH. Die Redaktionsleitung übernimmt Carsten Veller vom FiBL, der auch Projektleiter für die Öko-Feldtage ist. Die Erstausgabe erscheint Anfang Juni und enthält den Schwerpunkt Öko-Feldtage mit Programm, Maschinenvorführungen, Plänen etc.

Felix Prinz zu Löwenstein über die Strahlkraft der Öko-Feldtage

Die Öko-Feldtage haben Strahlkraft

Der deutsche Bio-Spitzenverband, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), ist Schirmherr der Öko-Feldtage. BÖLW-Vorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein spricht im Interview über die Strahlkraft der Veranstaltung in die Politik und in die Branche.

Sie waren von der Premiere der Öko-Feldtage im Jahr 2017 begeistert. Wie ist das 2019 denn noch zu toppen?

Löwenstein: Die Öko-Feldtage 2017 boten eine tolle Plattform, auf der gezeigt wurde, wie innovativ Öko-Landwirtschaft ist. Bundesweit einmalig sind die Öko-Feldtage vor allem auch, weil alle Player einen gemeinsamen Treffpunkt haben, um ihr Wissen und ihre Erfahrung zur Öko-Landwirtschaft auszutauschen. Keine andere Veranstaltung bietet so viele Informationen für Praktiker und Forschende, Studierende, Presse und Politik – und keine andere Landwirtschaftsmesse tut das mit so viel spannenden Formaten und einer solch positiven Ausstrahlung. Das stärkt Bio und erhöht die Wahrnehmung dafür, wie bedeutsam Öko als Zukunftssektor ist.

Was genau meinen Sie mit Ausstrahlung?

Löwenstein: Auf den Feldtagen treffen sich Akteure, die etwas bewegen wollen auf dem Acker und im Stall. Diese Energie spürt man. Auch beeindrucken die vielen Innovationen auf den Feldtagen: vom Unkrautroboter über Populationszüchtungen, die sich durch Ertragsstabilität sowie hohe Widerstandskraft auszeichnen bis zu hörnertragenden Kühen im Laufstall und kraftfutterfreier Fütterung. Sie zeigen Lösungen auf für eine enkeltaugliche Landwirtschaft. Beides verleiht den Öko-Feldtagen eine enorme Strahlkraft.

Welche Herausforderungen gibt es für Ökobetriebe und wie kann so ein Veranstaltungsformat helfen, sie zu lösen?

Löwenstein: Es muss Öko gelingen, stabile und resiliente Systeme zu entwickeln, innerhalb derer Artenvielfalt gestärkt, Wasser, Boden und Klima geschützt und Tiere artgerecht gehalten werden. Das brauchen wir mit Blick auf die aktuellen Probleme der Landwirtschaft und dem, was die Bürgerinnen und Bürger zu Recht von uns erwarten. Es ist auch das einzige, was für den Sektor, der von natürlichen Ressourcen abhängig ist, auf Dauer funktioniert. Zentrale Themen der Öko-Feldtage wie Öko-Züchtung und -Nährstoffmanagement, -Tierhaltung oder Landtechnik zeigen den Praktikern mögliche Bausteine auf, um den eigenen Betrieb zu verbessern. Forschende können erfahren, was die Praxis von ihnen wirklich braucht. Und die Politik sieht beides: welche Chancen Öko bietet und was Bio braucht, um das vorhandene Potenzial zu entfalten.

Wie sieht Ihre Rolle als Schirmherr aus?

Löwenstein: Schon bei der Premiere ist es uns gemeinsam mit vielen Partnern gelungen, dass die deutschen Bio-Bauern und -Bäuerinnen die Öko-Feldtage als ihre eigene Veranstaltung erleben. Sie sind aber auch Gastgeber für interessierte konventionell wirtschaftende Kolleginnen und Kollegen. Denn unser Ziel ist es ja, genau diesen Austausch zu ermöglichen und das Wissen aller miteinzubeziehen und zu nutzen. So wird auch für Vertretungen außerhalb der Landwirtschaft wie Politik und Presse spürbar, dass sich hier die gesamte ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft präsentiert.

Die Zahl der deutschen Bio-Betriebe legte in den vergangenen Jahren kräftig zu und liegt inzwischen bei knapp 12 Prozent. Erreichen Sie mit den Öko-Feldtagen noch mehr Umstellungsinteressierte oder wollen Sie eher alte Hasen für Innovationen begeistern?

Löwenstein: Die Feldtage informieren in der ganzen Breite darüber, wie man seinen Biobetrieb weiter entwickeln kann. Deswegen sind innovationsfreudige Bäuerinnen und Bauern der ökologischen Landwirtschaft unsere Kernzielgruppe. Mit dem extrem offenen Format sprechen wir aber sehr bewusst auch unsere konventionell wirtschaftenden Kollegen an, die über eine Umstellung nachdenken oder sich für einzelne biologische Maßnahmen begeistern. Die mechanische Unkrautbekämpfung mit Striegel und Hacke etwa nutzen immer mehr von ihnen, allein hierzu werden auf den Öko-Feldtagen fast 30 Maschinen vorgeführt. Insgesamt sind 54 Maschinen im praktischen Einsatz zu sehen. Bei der Premiere ging das Konzept sehr gut auf: Überwiegend Bäuerinnen und Bauern besuchten die Öko-Feldtage, davon ca. ein Viertel konventionell wirtschaftend, sowie Studierende der Agrarwissenschaft und Fachpublikum aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Beratung, Verbände, Politik und Presse.


Felix Prinz zu Löwenstein
Vorsitzender Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW)


Interview mit Stefan Itter

Öko-Feldtage 2019 – Biolandbau erleben


Im Interview berichtet Biobauer Stefan Itter darüber, was ihm die Öko-Feldtage 2017 gebracht haben, warum er auch 2019 wieder dabei ist und warum er seinen konventionellen Kollegen empfiehlt, die bundesweite Veranstaltung zu besuchen.

Warum stehen die Öko-Feldtage 2019 fest ihn Ihrem Terminkalender?

Stefan Itter: Es gibt für mich viele Gründe zum Besuch der Öko-Feldtage 2019. Zum einen bin ich dort mit dem Restaurant Weissenstein einer der gastronomischen Anbieter. Wir präsentieren beispielsweise die „Bentiburger“ eine Hamburger-Variation von meinen Bunten Bentheimer Freilandschweinen. Außerdem gehöre ich zum Netzwerk der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau und werde am Stand der Initiative in einem bestimmten Zeitfenster als Ansprechpartner für Kollegen Rede und Antwort stehen. Zum dritten bin ich als Biobauer auf den Öko-Feldtagen, besuche für mich relevante Fach Foren, informiere mich über alte Getreidesorten wie Emmer und Einkorn und werde mir das Angebot der Aussteller für Hühnermobile vor Ort anschauen.

2017 waren Sie ja auch schon auf den Öko-Feldtagen. Gab es ein Highlight für Sie?

Itter: Ja, unser Pastrami-Sandwich: Gegarte Rinderbrust in einem Ciabattabrot aus meinem Weizen. Köstlich, Regional und Bio. Die wenigsten kannten „Pastrami“ und fast alle waren begeistert. Das freut mich natürlich, aber die Gespräche drum herum, die Fragen der Kollegen nach unserem Vermarktungskonzept und die Kontakte zu Kollegen waren auch ein Höhepunkt für mich. Zudem finde ich es toll, dass die Biolandwirtschaft auch bei unseren konventionellen Kollegen Interesse weckt und für manche Methoden wie etwa mechanisches Unkrautmanagement sogar Vorreiter sein kann. Ich hatte ein interessantes und intensives Gespräch mit einem Vertreter des Bauernverbandes, das mir gezeigt hat, das jetzt viel Neugier und Aufgeschlossenheit herrscht wo vorher Skepsis und vielleicht sogar Ablehnung war.

Sie sind in der Region schon gut vernetzt. Gibt es auf den Öko-Feldtagen Gelegenheit das Netzwerk weiter zu spinnen?

Itter: Ja klar! Ich habe auf der Veranstaltung 2017 einfach viele interessante Menschen getroffen. Darunter viele Kunden und Verarbeiter aber auch potenzielle Neukunden. Schön fand ich es auch, die Mitarbeiter vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, die meine Anträge bei der Behörde betreuen, mal in einem ganz anderen Zusammenhang zu treffen, gemeinsam einen Kaffee zu trinken und über neue Entwicklungen im Ökolandbau zu fachsimpeln. Wer als Biolandwirt Netzwerken möchte, hat auf den Öko-Feldtagen viel Gelegenheit dazu.

Welche Herausforderungen gibt es für Ihren Betrieb und kann so ein Veranstaltungsformat helfen, sie zu lösen?

Itter: Mein Betrieb entwickelt sich prinzipiell gut. Die Herausforderung ist aber, nicht stehen zu bleiben, sondern sich immer weiter zu entwickeln. So eine Veranstaltung wie die Öko-Feldtage kann neue Inspiration bieten und holt vielleicht auch mal Aspekte ins Bewusstsein, über die ich sonst nicht gestolpert wäre.

Sind die Öko-Feldtage aus Ihrer Sicht eine geeignete Plattform, um die ökologische Landwirtschaft weiter zu entwickeln?

Itter: Unbedingt! Weil hier die Fragen aufgegriffen werden, die uns Biobauern unter den Nägeln brennen. Mich beschäftigt beispielsweise die Diskussion über die Zusammenarbeit von Bioland und Lidl und die Frage, wohin sich unsere Branche mit dem Bioboom und den vielen Umstellungsbetrieben entwickelt.

Ich denke: der Ökolandbau war und ist mehr als nur die Einhaltung von Richtlinien. Er war auch ein kritischer Gegenentwurf zur Kapital- und profitorientierten Land- u. Ernährungswirtschaft und hat seinen Charme auch durch das partnerschaftliche Miteinander von Biobauern und Vermarktern. Das sollte nicht unterschätzt werden!

Sie sind auch mit konventionellen Kollegen und solchen, die auf Bio umstellen wollen in Kontakt. Empfehlen Sie Ihnen die Öko-Feldtage weiter?

Itter:Ja, das mache ich. Ist auch nicht schwer, denn die konventionellen Kollegen interessieren sich häufig sehr für Technik, von der es auf den Öko-Feldtagen ja nun wirklich genügend gibt. Striegel und Hacke sind derzeit für alle Landwirte ein heißes Thema. Wie natürlich auch viele andere Themen, allen voran Tierwohl und Tierhaltung. Da bietet der Ökolandbau Lösungen, die man sich anschauen kann. Mein Statement an die Kollegen lautet: Auf der Veranstaltung findet ihr Landwirtschaft mit Herz, geballte Information von Menschen, die Ökolandbau betreiben: authentisch und professionell.

Eiwels Bio-Bauernhof

  • Betriebsleiter Stefan Itter ist Mitglied im Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau
  • Umstellung auf Öko und Naturland Mitglied seit 2001
  • Betriebsfläche 50 ha, davon ca. 35 ha Ackerland und ca. 15 ha Grünland
  • Tierhaltung: ca. 20 Rinder, ca. 60 Schweine, ca. 200 Hühner
  • Vermarktung: Verarbeitung und Direktvermarktung. Itter kooperiert seit 2017 mit dem Ökometzger Martin Theisinger und Kassels erstem Öko-Restaurant – dem Restaurant Weissenstein
  • Arbeitskräfte: 1