Demoparzellen ausgesät

In den letzten Wochen haben unsere Versuchstechniker circa 800 Parzellen ausgesät: sowohl für die Ausstellenden als auch für die Justus-Liebig-Universität Gießen, den Dauerversuch Ackerbau, die Landessortenversuche und Leistungsprüfungen. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Wintergetreide wie Weizen, Gerste, Roggen und Triticale sowie Winterungen von Körnerleguminosen wie Ackerbohne, Erbse und einige Gemenge.

Sichere Öko-Feldtage

Das Winterhalbjahr mit steigenden Infektionszahlen verunsichert alle Veranstaltenden und Ausstellenden. „Wir gehen davon aus, dass die Situation im Sommer 2021 wieder besser aussieht und die Öko-Feldtage am 23. und 24. Juni 2021 live auf dem Gladbacherhof erfolgen“, sagt Projektleiter Carsten Veller und erklärt gleich warum.

Pappeln & Co. kräftig gewachsen

Trotz des trockenen Sommers haben auf dem Agroforstschlag fast alle Bäumchen überlebt, wenige Ausfälle gibt es lediglich bei den Pappeln. Manche der mit Wurzeln gepflanzten Wertholzbäume haben seit Ende Februar schon über einen Meter zugelegt, die stärksten Pappeln sogar ca. 2,5 Meter.

Universität Gießen präsentiert sich vielfältig auf Öko-Feldtagen

Prof. Dr. Andreas Gattinger ist wissenschaftlicher Leiter des Lehr- und Versuchsbetriebs Gladbacherhof und lehrt an der Justus-Liebig-Universität Gießen am Fachbereich Ökologischer Landbau mit Schwerpunkt nachhaltige Bodennutzung. Im Interview sagt er, welche Aktivitäten die Uni auf den Öko-Feldtagen 2021 plant.

Forschung: Wie wirkt Agroforst?

Klimaschutz und -anpassung ist ein wichtiges Thema der Praxisforschung auf dem Gladbacherhof und auf den Öko-Feldtagen 2021. Eine in diesem Frühjahr neu angepflanzte Agroforstfläche soll Erkenntnisse darüber bringen, wie sich linienförmige Pflanzungen von verschiedenen Baumarten wie Apfel, Pappel, Speierling, Elsbeere, Walnuss und Wildkirsche sowie Sträuchern wie Holunder auf Ackerstandorten auswirken. Untersucht wird unter anderem, ob die tiefwurzelnden Bäume und Sträucher die Bodenerosion auf stark geneigten Hangflächen verringern können.

Gladbacherhof: Forschungs- und Wirtschaftsbetrieb

Gladbacherhof: Forschungs- und Wirtschaftsbetrieb

Unsere Fotografin war Mitte Juni auf der Hessischen Staatsdomäne Gladbacherhof unterwegs und hat viele Eindrücke festgehalten. Machen auch Sie sich ein Bild vom Hofgut.

  • Der Lehr- und Versuchsbetrieb der Justus-Liebig-Universität Gießen hat viele Forschungsfelder. Lehre und Forschung ist seine Hauptaufgabe. Der landwirtschaftliche Betrieb selbst muss jedoch wirtschaftlich arbeiten.

  • Die Mittelgebirgslage der Hessischen Staatsdomäne Gladbacherhof ist ein typischer Standort für Ökolandbau mit Dauergrünland, Feldfutterbau und Ackerbau. Die Hänge sind erosionsgefährdet. Wissenschaftler*innen erforschen deshalb, mit welchen Methoden die Erosion verhindert bzw. gemildert werden kann.

  • Klimaschutz und -anpassung ist ein wichtiges Thema der Praxisforschung auf dem Gladbacherhof und auf den Öko-Feldtagen 2021. Eine in diesem Frühjahr neu angepflanzte Agroforstfläche soll Erkenntnisse darüber bringen, wie sich Pflanzungen von verschiedensten Bäumen auf den Acker auswirken.

  • Verschiedenste Bäume wie zum Beispiel Pappeln, Apfel- und Birnbäume sowie Eisbeere sollen den Boden mit ihren Wurzeln vor Erosion schützen und Nützlinge anlocken. Derzeit stehen Ackerbohnen auf der Fläche.

  • Der Gladbacherhof ist spezialisiert auf die Saatguterzeugung von Weizen, Roggen, Gerste und Triticale als Sommerung wie Winterung. Die Ware wird hofeigen gereinigt und aufbereitet und an Biobetriebe in Hessen, Deutschland, aber auch ins europäische Ausland vermarktet.

  • Bei Weizensorten wird immer häufiger Grannenweizen nachgefragt. Er schmeckt den Wildschweinen nicht, die ansonsten häufig große Schäden anrichten und ist zudem resistenter gegen Trockenheit.

  • Zwei Herden schwarz-bunter Milchkühe, insgesamt 90 Tiere, leben auf dem Gladbacherhof. Von Frühjahr bis zum Herbst stehen sie jeden Tag auf dem hofnahen Dauergrünland. Die weibliche Nachzucht verbleibt auf dem Hof, oder wird als Zuchtvieh an andere Biobetriebe verkauft. Die Milchleistung liegt bei 8.500 Litern pro Jahr. Mehr noch zählt die Lebensleistung der Tiere.

  • Kartoffeln der Sorte Goldmarie und Soraya bekommen auf Dämmen besonders viel Sonne ab. Die Unkrautregulierung erfolgt mit Hacke und Striegel. Vier Hektar ergeben eine Ernte von circa 120 Tonnen. Ein Großteil dient als Saatgut und Kunden des Hofladens können sie kaufen und kosten.

  • Im schon 23 Jahre dauernden Ackerbauversuch erproben Versuchstechniker und Versuchstechnikerinnen wie sich verschiedene Fruchtfolgen, Düngetechniken und Bodenbearbeitung auf die Bodenfruchtbarkeit und den Humusgehalt auswirken. Wichtigste Erkenntnisse: Die viehlose Fruchtfolge führt zu Humusabbau; die pfluglose Bearbeitung führt zu 10 % Minderertrag. Foto: Franz Schulz

  • Seit sechs Jahren finden Landessortenversuche für Weizen und Soja auf dem Gladbacherhof statt. Als Auftragsarbeit führen die Nordhessen noch weitere Sortenversuche durch, beispielsweise eine Leistungsprüfung für den Dottenfelderhof bei Frankfurt.

  • Ein weiteres Forschungsgebiet: die Humuswirkungen von Körnerleguminosen. Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen und Soja werden mit Weizen verglichen. Die Wissenschaftler*innen untersuchen, wie viel Stickstoff in den einzelnen Kulturen im Boden verbleibt, wie die Wurzeln die Bodengare beeinflussen und wie die Nährstoffe verfügbar sind.

  • Im Projekt „Soja on Top“ steht die Soja zwischen Winter- und Sommerweizen. Sie wird während der Vegetationsperiode in die bestehende Kultur eingesät. Ziel der Versuche ist es, ein Anbausystem zu entwickeln, das die Anbausicherheit für Soja erhöht und keinen zusätzlichen Flächenbedarf aufweist.

  • Weitere Vorteile von Soja on top: eine höhere Biodiversität und die Streuung des Risikos. Knifflig: Landwirt*innen müssen die beiden Kulturen gesondert ernten, was die Anpassung der vorhandenen Maschinen voraussetzt. Wie es geht, wird auf dem Gladbacherhof in verschiedenen Varianten erprobt.

  • Im Hofladen stehen hofeigene Kartoffeln und Apfelsaft sowie ein bunt gemischtes Zukaufangebot von weiteren Produkten, viele davon aus der Region, zum Verkauf. Das Fleisch von hofeigenen Kühen wird von einem regionalen Metzger verarbeitet und frisch sowie tiefgefroren in Teilstücken und als Salami, Schinken und Dauerfleisch angeboten.

Interview mit Betriebsleiter Johannes Eisert

Johannes Eisert ist seit Januar Betriebsleiter auf der Hessischen Staatdomäne Gladbacherhof. Im Interview erklärt er, warum der Hof sich bestens zur Austragung der Öko-Feldtage 2021 eignet. Die Mittelgebirgslage ist beispielsweise repräsentativ für viele Betriebe, die ökologisch wirtschaften. Gerade das macht ihn als Veranstaltungsort besonders spannend.

DLG-Feldtage verschoben

Die DLG-Feldtage wurden angesichts der Corona-Pandemie auf den 8. bis 10. Juni 2021 verschoben. Ausstellenden, die sowohl an den DLG-Feldtagen, als auch an den Öko-Feldtagen teilnehmen, wird die Anmeldegebühr der zweiten Veranstaltung erlassen. Sind Sie bereits bei den DLG-Feldtagen angemeldet, können Sie dies einfach in unserem Anmeldeformular angeben und Sie bekommen die Anmeldegebühr in Höhe von 300 Euro erlassen.

Neue Fachzeitschrift BioTOPP

Neue Fachzeitschrift BioTOPP

Drei Wochen vor den Öko-Feldtagen 2019 erscheint die Erstausgabe der BioTOPP, der neuen Fachzeitschrift für die ökologische Landwirtschaft. Auf 48 Seiten informiert das neue Fachmagazin für Bäuerinnen und Bauern zu allen Themen rund um den Öko-Landbau. Als Herausgeber fungieren das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Deutschland) und die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), es erscheint in der DLG AgroFood Medien GmbH. Die Redaktionsleitung übernimmt Carsten Veller vom FiBL, der auch Projektleiter für die Öko-Feldtage ist. Die Erstausgabe erscheint Anfang Juni und enthält den Schwerpunkt Öko-Feldtage mit Programm, Maschinenvorführungen, Plänen etc.

Felix Prinz zu Löwenstein über die Strahlkraft der Öko-Feldtage

Die Öko-Feldtage haben Strahlkraft

Der deutsche Bio-Spitzenverband, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), ist Schirmherr der Öko-Feldtage. BÖLW-Vorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein spricht im Interview über die Strahlkraft der Veranstaltung in die Politik und in die Branche.

Sie waren von der Premiere der Öko-Feldtage im Jahr 2017 begeistert. Wie ist das 2019 denn noch zu toppen?

Löwenstein: Die Öko-Feldtage 2017 boten eine tolle Plattform, auf der gezeigt wurde, wie innovativ Öko-Landwirtschaft ist. Bundesweit einmalig sind die Öko-Feldtage vor allem auch, weil alle Player einen gemeinsamen Treffpunkt haben, um ihr Wissen und ihre Erfahrung zur Öko-Landwirtschaft auszutauschen. Keine andere Veranstaltung bietet so viele Informationen für Praktiker und Forschende, Studierende, Presse und Politik – und keine andere Landwirtschaftsmesse tut das mit so viel spannenden Formaten und einer solch positiven Ausstrahlung. Das stärkt Bio und erhöht die Wahrnehmung dafür, wie bedeutsam Öko als Zukunftssektor ist.

Was genau meinen Sie mit Ausstrahlung?

Löwenstein: Auf den Feldtagen treffen sich Akteure, die etwas bewegen wollen auf dem Acker und im Stall. Diese Energie spürt man. Auch beeindrucken die vielen Innovationen auf den Feldtagen: vom Unkrautroboter über Populationszüchtungen, die sich durch Ertragsstabilität sowie hohe Widerstandskraft auszeichnen bis zu hörnertragenden Kühen im Laufstall und kraftfutterfreier Fütterung. Sie zeigen Lösungen auf für eine enkeltaugliche Landwirtschaft. Beides verleiht den Öko-Feldtagen eine enorme Strahlkraft.

Welche Herausforderungen gibt es für Ökobetriebe und wie kann so ein Veranstaltungsformat helfen, sie zu lösen?

Löwenstein: Es muss Öko gelingen, stabile und resiliente Systeme zu entwickeln, innerhalb derer Artenvielfalt gestärkt, Wasser, Boden und Klima geschützt und Tiere artgerecht gehalten werden. Das brauchen wir mit Blick auf die aktuellen Probleme der Landwirtschaft und dem, was die Bürgerinnen und Bürger zu Recht von uns erwarten. Es ist auch das einzige, was für den Sektor, der von natürlichen Ressourcen abhängig ist, auf Dauer funktioniert. Zentrale Themen der Öko-Feldtage wie Öko-Züchtung und -Nährstoffmanagement, -Tierhaltung oder Landtechnik zeigen den Praktikern mögliche Bausteine auf, um den eigenen Betrieb zu verbessern. Forschende können erfahren, was die Praxis von ihnen wirklich braucht. Und die Politik sieht beides: welche Chancen Öko bietet und was Bio braucht, um das vorhandene Potenzial zu entfalten.

Wie sieht Ihre Rolle als Schirmherr aus?

Löwenstein: Schon bei der Premiere ist es uns gemeinsam mit vielen Partnern gelungen, dass die deutschen Bio-Bauern und -Bäuerinnen die Öko-Feldtage als ihre eigene Veranstaltung erleben. Sie sind aber auch Gastgeber für interessierte konventionell wirtschaftende Kolleginnen und Kollegen. Denn unser Ziel ist es ja, genau diesen Austausch zu ermöglichen und das Wissen aller miteinzubeziehen und zu nutzen. So wird auch für Vertretungen außerhalb der Landwirtschaft wie Politik und Presse spürbar, dass sich hier die gesamte ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft präsentiert.

Die Zahl der deutschen Bio-Betriebe legte in den vergangenen Jahren kräftig zu und liegt inzwischen bei knapp 12 Prozent. Erreichen Sie mit den Öko-Feldtagen noch mehr Umstellungsinteressierte oder wollen Sie eher alte Hasen für Innovationen begeistern?

Löwenstein: Die Feldtage informieren in der ganzen Breite darüber, wie man seinen Biobetrieb weiter entwickeln kann. Deswegen sind innovationsfreudige Bäuerinnen und Bauern der ökologischen Landwirtschaft unsere Kernzielgruppe. Mit dem extrem offenen Format sprechen wir aber sehr bewusst auch unsere konventionell wirtschaftenden Kollegen an, die über eine Umstellung nachdenken oder sich für einzelne biologische Maßnahmen begeistern. Die mechanische Unkrautbekämpfung mit Striegel und Hacke etwa nutzen immer mehr von ihnen, allein hierzu werden auf den Öko-Feldtagen fast 30 Maschinen vorgeführt. Insgesamt sind 54 Maschinen im praktischen Einsatz zu sehen. Bei der Premiere ging das Konzept sehr gut auf: Überwiegend Bäuerinnen und Bauern besuchten die Öko-Feldtage, davon ca. ein Viertel konventionell wirtschaftend, sowie Studierende der Agrarwissenschaft und Fachpublikum aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Beratung, Verbände, Politik und Presse.


Felix Prinz zu Löwenstein
Vorsitzender Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW)